Hohe Hand und Dehnungshaltung
Weil eine Reiterhand die nicht auf den Oberschenkeln festgetackert zu sein scheint Aufsehen erregt (und offenbar nicht jeder die Muße hat Bücher darüber zu lesen) dachte ich hier mal in kürzesten Stichpunkten eine Idee zu vermitteln.
Das Ziel ist eine mehr oder weniger ungebrochene Linie vom Zügel und dem Unterarm des Reiters. Wobei mir persönlich aus ästhetischen Gründen schon immer eine einen Hauch nach oben gebrochene Linie schon immer besser gefallen hat. So wie bei Dr. Reiner Klimke in etwa. Hat das Pferd sein Kinn an die Brust gezogen ist diese Linie gerade wenn die Hand sehr tief ist aber das ist ja NICHT under Ziel.
Das ist also das Ziel über das sich die meisten Reiter einig sind.
Was tut man aber nun wenn das Pferd, weil es eine Neigung dazu hat oder weil es das nicht anders gelernt hat, seine Hals und Kopfpositionnicht nach Reiterbelieben einstellen läßt oder sogar eine wenig hilfreiche oder schädliche Position einnimmt?
Dann kann ein Weg sein (und diesen verfolge auch ich) es dem Pferd durch das beibringen einer Signalsprache genau zu erklären. Dazu braucht man für jede Positionsänderung ein Signal. Genickwinkel öffnen, Genickwinkel schließen, hoch, tief, links, rechts. UNABHÄNGIG voneinander! Also vor allem auch tief dabei Genick nicht schließen und Genick schließen dabei nicht tief und links und rechts dabei Genick nicht schließen. Die anderen Kombinationen sind einfacher und viele Pferde haben sie auch nur als Kombination gelernt.
Da die Maulwinkel elastischer und somit weniger schmerzempfindlich auf Druck mit dem Gebiss sind als Zahnfleisch und Zunge zwischen Zahnfleich und Gebiss geklemmt ist die Idee, dass man, wenn man einwirken muß lieber nach oben anstatt nach hinten (oder gar unten) einwirkt. Auch da sind sich, dachte ich früher immer alle einig, denn “die Hand soll niemals rückwärts wirken”. Das ist keine neumodische Erfindung. Naja, ich dachte damit sei also klar, dass Paraden somit Auffwärts wirken. Abwärtswirkende Hände, das ist so eine neue Modeerscheinung…
Nun ja, da ich also die Aufwärtswirkung sinnvoller finde bleiben hier dreiei Grundeinwirkungstypen:
- ich nenne es mal Kontaktaufnahme: weiche, leicht knetende Einwirkung mit aufwärtsgerichteten Fingerlägeln soll das Pferd dazu bringen den Unterkiefer loszulassen, zu lecken und zu signalisieren, dass es zuhört und bereit ist. Wendet man es nur auf einer Seite an kann man den Pferdehals biegen indem man den Ellbogen dabei anwinkelt, den Zügel nachfasst wenn der Pferdekopf mitkommt und die Hand wieder absenkt.
- Demi arrêt: kurze vibrierende oder pulsierende Auffwärtsbewegungen der Hände (je nach Situation) wenn das Pferd mehr Gewicht auf das Gebiss legt als einem lieb ist.
- Aktion-Reaktion: ein konstanter Zug in Richtung Reiternase durch schließen des Ellbogenwinkels, der das Pferd animieren soll den Zug in die entgegengesetzte Richtung zu erwiedern. Also nach vorne-unten Richtung korrekte Dehnungshaltung.
Ich denke letztere ist diejenige die häufiger mißverstanden wird da die Hände allen Kopfbewegungen des Pferdes folgen was am Anfang so aussehen mag als würden der Reiter diese Bewegungen und Positionen so verlangen.
Die Idee dabei ist aber:
- Egal was das Pferd macht, der Kontakt zur Reiterhand bleibt wie ein Gummi immer gleich bzw. er wird deutlicher wenn das Pferd eine unerwünschte Position wählt und sehr freundlich aber dennoch da, wenn es eine gewünschte Position wählt.
- Bis es diese Idee verstanden hat und in den gewünschten Positionen bleibt (ohne dort festgehalten werden zu müssen). Dann ist auch die Reiterhand ganz ruhig weil sie nur noch freundlich im Wunschbereich bleibt.
Die beiden häufigsten Probleme die so korrigiert werden sind “hinter dem Zügel” gehen und “über dem Zügel” gehen.
- Also wenn die Pferde sich entweder dem Kontakt mit dem Zügel entziehen, sich dahinter verkrichen, sich aufrollen, was besonders beim Versuch eine Dehnungshaltung zu erreichen die Pferde am falschen Halswirbel abknicken läßt (zwischen 2. und 3.), hinter die Senkrechte und auf die Vorhand bringt. Hier ist die Idee dem Pferd in einer hohen Halsposition (weil man ihm hier das Genick am einfachsten offen halten kann) einen netten Kontakt gibt bis es sich daran gewöhnt und dan so bals es möglich ist den Hals wieder in eine natürlichere Haltung gleiten zu lassen aber nur solange das Pferd den Kontakt hält. Wenn es wieder verschwindet fängt man von vorne an.
- Sich gegen den Zügel nach oben heraushebeln auch um den Kontakt loszuwerden. Hier begleitet man das Hochnehmen des Kopfes durch Hochnehmen der Hände. Und da man das Pferd nicht in diesm Auswichmanöver belohnen will indem man dort oben den Kontakt aufgibt und es aber auch nicht durch Druck auf dem Kiefer dafür strafen will oder es gar unten festzuhalten versuchen sollte, hebt man die Hände noch ein Stück höher als das Pferd den Kopf gehoben hat und erhöht somit den Druck (niemals ruckartig) auf die Maulwinkel. Das ist zwar nicht schön für das Pferd aber auch nicht schmerzhaft (ich stelle es mir so vor wie wenn man jemandem die Unterhose in die Kimme zieht). Sucht das Pferd nach Lösungen für diese Situation beharrt man einfach mit seinem Kontakt in den Maulwinkeln bei allen Aktionen die das Pferd nach oben oder zu den Seiten anbietet und belohnt jede noch so kleine Idee nach unten-vorne.
Da die Bewegungen des Pferdekopfes sehr schnell sein können und man ja wie ein Gummiband sein soll bleibt keine Zeit das Zügelmaß ständig zu ändern. Also nimmt man die Zügel in der Länge auf in der man sie bräuchte wenn das Pferd in der Zielposition ist, z.B. der Dehnungshaltung, Mähnenkamm in der Waagerechten, Genick deutlich geöffnet. Somit sind die Reiterhände entspannt und tief (so tief wie die Linie Pferdemaul-Hand-Ellenbogen) wenn das Ziel erreicht ist. Solange das Pferd noch nach Lösungen schucht bleibt nach dieser Methode keine andere Wahl als die Hände auch mal breit und hoch zu tragen um den Kontakt flexibel halten zu können bis das Pferd die Lösung gefunden hat.
Die Hände sollen deutlich mit nach unten gehen wenn das Pferd nach unten geht. Allerdings gibt es Pferde die sehr empfindlich auf den Laden sind oder Druck auf den Laden so nachhaltig mit Einrollen oder kämfen verbunden haben, dass es, warum nicht (!) auch sein kann, dass man sich am Anfang mit Zügelkontakt zu den Maulwinkeln zufrieden gibt weil es für ein Pferd was gar keinen Kontakt ertragen hat ein großer Fortschritt ist. Das aber heißt, dass die Hände in dieser Zeit immer etwas höher als die Maulwinkel sind.
Hui, ganz schön lang geworden und dabei ist nur die Grundidee angekratzt. Aber vielleicht macht sie ja den Einen oder Anderen neugierig auf mehr.










Juni 27th, 2012 21:35
pssst,
“vibrierend”
mit v nicht mit w…
aber schön zusammengefasst
Januar 26th, 2013 01:50
[...] weniger zum Ausdruck bringen (außer wirklich mal und kurz) wäre mein erster Lösungsansatzgedanke am anderen Ende des Zügels etwas anders zu machen und/oder dem Pferd einfach beizubringen den Zügel [...]