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Hals hoch Rücken weg?

Freitag, März 15th, 2013

Diese fixe Idee geht teilweise so weit, dass Leute schon fast heulen wenn ihr Pferd sich mal nach einem Blatt am Baum reckt und am liebsten den Rehen, Zebras und Gnus Schlaufzügel umschnallen würden wegen der schlimmen Hirschhälse (ich weiß, ich übertreibe)… bei denen es noch nicht so weit gekommen ist kommt zumindest das Argument, dass es ja nicht natürlich ist, dass ein Mensch auf einem Pferd sitzt und man deshalb den Pferden die einzige gute Reittierhaltung, nämlich Kopf unten, beibringen oder im Notfall erzwingen müsse, denn mit Kopf oben drücken sie den Rücken weg, immer, außer sie senken die Hinterhand ab (also in der Piaffe?). Zu bemerken ist aber, dass wenn ein Pferd einen hohen Sprung angeht es in dem Moment vor dem Absprung den Kopf hebt und dabei beide Hinterbeine stark unter den Körper zieht. Dabei wird der Rücken rund, nicht hohl (leider habe ich auf die Schnelle kein Foto von diesem Moment gefunden). Vielleicht sieht man es in dem Video z.B. in der 0:19, 0:24, 0:42 oder 0:51.). Über dem Sprung geht es mit dem Hals in eine deutliche Dehnungshaltung und macht bei weiten Sprüngen, wenn überhaupt dann hier den Rücken “hohl”.  Bei der Landung wiederum wölbt das Pferd den Rücken auf und hat den Hals relativ zum Rücken stark angehoben.

Ich will ja nicht behaupten Pferde drücken den Rücken nie weg wenn sie den Hals heben, im Gegenteil, verspannte Pferde tun meistens beides gleichzeitig und wenn der Rücken schmerzt heben sie meist den Hals an. Der Punkt sollte nur sein, dass es kein zwingendes Naturgesetz ist, dass ein hoher Hals ein Hohlkreuz erzeugt. So wie es in vielen Abbildungen suggeriert wird. Die Wirbelsäule des Pferdes ist aber eben KEIN Bogen der von der Hüfte Bis zum Genick geht (wie es leider auch in den tollen neuen FN-Richtlinien gezeichnet ist). Sondern sie sieht aus wie bei vielen anderen Vierbeinern auch, der Hals in S-Form und die Rückenwirbelsäule eher konvex als konkav. Sie sieht nur wegen der langen dornfortsätze konkav aus.

Da das Pferd, wie auch andere Vierbeiner, kein Schlüsselbein hat (das lernt jeder Reitanfänger beim kleinen Hufeisen auswendig), ist die Wirbelsäule an der Brust nur durch Muskeln und Sehnen befestigt. Deshalb sinkt das Pferd zwischen den Schultern ein wenn sich ein Reiter draufsetzt. Das sieht dann aus wie ein Holkreuz wie es sich die meisten vorstellen. Senkt das Pferd nun den Hals, zieht es damit zwar an den Sehnen und zieht den Rücken etwas hoch, das Grundproblem, dass es zwischen den Schultern absackt ist damit jedoch nicht behoben. Im Gegenteil, es kann den Brustkorb zwischen den Schultern nur durch Muskelkraft oben behalten und dafür müssen diese Muskeln auch trainiert und nicht die Bänder gedehnt werden.

Wir haben mal tolle Fotos mit Pfeilen gemacht und einfach mal geguckt wie es aussieht wenn wir einem unserer Pferdchen den Kopf tief bzw hoch bitten. Auch im Steigen hatte Samira den Rücken eher angehoben und das bei maximaler anspannung des langen Rückenmuskels und “rausgedrücktem Unterhals”. Oder unser Rätsel was ich nach den Anfeindungen wegen des Eimerversuchs mal ausprobiert hatte. Es sind nur Anekdoten aber zumindest konnten wir uns überzeugen, dass es jedenfalls nicht IMMER so ist wie oft behauptet: Kopf runter > Rücken hoch, Kopf hoch > Rücken runter. Es kommt eben darauf an. Hier ist es z.B. nicht so. Und bei dem auch nicht.

Natürlich sollte ein Pferd was sich als Reaktion auf den Zügelkontackt hohl macht als allererstes in die Dehnungshaltung gebracht werden bis es sich nicht mehr fürchtet und zwar mit Zügelkontakt auch in der Dehnung, denn es soll ja eben nicht lernen den Kontakt zu meiden, vielmehr soll es lernen ihn zu suchen.

Das geheime Leben der Pferdehufe

Dienstag, Februar 12th, 2013

So wie man nicht sagen kann oder sollte, dass man zwar reiten möchte, sich aber nicht für Pferdeverhalten interessiert, muss ich mir eingestehen, dass man auch nicht Pferde halten kann oder sollte ohne sich für Pferdehufe zu interessieren. Nach einem ersten angelesenen Überblick schien mir das Natural Hoofcare Konzept am passendsten. Also waren wir auf einem Hufkurs im Weideparadies im Haunetal und sind uns alle einig: Die Investition hat sich gelohnt!

Ich kann natürlich nicht einen ganzen Tag Informationsfutter, Theorie, Beispiele unterschiedlicher Hufprobleme und Erfahrungen die uns geboten wurden (plus die Erkenntnis, dass der vegane Kuchen am leckesrsten war) hier wiedergeben. Vor allem die sehr gründlichen Begründungen für die gezogenen Schlüsse kann ich nicht widergeben sondern höchstens was ich mir für meine Praxis im Fall meiner Pferde gemerkt habe. Also versuche ich einfach mal durch ein paar Aha-Effekte die Neugierde für das Thema zu wecken.

Fußabdruck und Schuhabdruck

Die erste Idee ist es die Hufunterseite in zwei Bereichen zu betrachten: den Fußabdruck, den man im Normalfall nicht anrührt und den Schuhabdruck an dem man lenkend kleine aber wichtige Korrekturen vornehmen kann. Wobei der erlaubte Schuhabdruck nur aus der äußeren Hufwand besteht und da auch nur von unten, was nicht so viel ist an dem man herumraspeln darf… Hufmesser sollten wir alle am besten wegwerfen, in den Müll! naja, voelleicht kann man damit ja auch Spargel schälen oder so. Insgesamt wurde die Komplexität und die Wichtigkeit der weichen Gewebe im Huf betont.

Der dicke feste Ballen

Ein Kennzeichen für die erwünschte starke Ausprägung von schützendem und dämpfendem Gewebe im Huf und eine damit verbundene hohe plazierung des Hufbeins in der Hufkapsel ist ein fester und voluminöser Ballen oberhalb des Haaransatzes am hinteren Kronenrand. Ist der Ballen über dem Haaransatz eingefallen weist das darauf hin, dass das Hufbein in der Kapsel abgesackt ist und/oder nicht genug Strahlpolster vorhanden ist. Absinken kann hauptsächlich etwas was in der luft hängt. Deswegen wurde der Begriff “Hufaufhängung” als nicht so glücklich angesheen. Denn die Idee ist, dass der Huf eben NICHT über die Lamellen komplett an der Hufwand hängt sondern, dass er von unten auch gestützt wird. Von einem robusten Strah, feste Sohle und viel Strahl- und Ballenpolster. Dazu eine, den Bodenverhältnissen angepasste Sohlenwölbung.

Die Sohlenwölbung ist natürlich nur möglich wenn das Hufbein weit oben in der Kapsel ist und darf auf keinen Fall einfach dahingeschnitzt werden.

Das Strahlenpolster wird aufgebaut wenn der Huf dazu animiert wird was durch kontinuierliche Bewegung auf geeigneten Böden passiert wenn der Huf mit dem Ballen zuerst landet. Ein gesunder und unempfindlicher Ballen ermöglicht diese korrekte Ballenlandung des Hufs. Solange der ballen noch nicht gut genug ist kann und sollte man Hufschuhe anziehen damit das Pferd nicht in den Teufelskreis kommt den Ballen zu schonen und dadurch seine Entwicklung zu hemmen. In schlimmen Fällen gibt es Hufschuhe die rund um die Uhr drauf bleiben, in weniger schlimmen Fällen benutzt man sie nur zum reiten und ermöglich dem Huf den Rest der Zeit normalen Kontakt zum Boden. Die An- und Ausziehbarkeit von Hufschuhen und somit die graduelle Anpassung an ein gesundes Hufleben ist ihr großer Vorteil. berührt ein verkümmerter Strahl den Boden auch bei Belastung garnicht, kann man Einlagen in Strahlform un die Schuhe legen.

Die Eckstreben wollen einen Strahl bauen

Dem Strahl kommt also eine wichtige Rolle zu und je breiter und kompakter er ist, desto besser. Kompackt ist er wenn er durch Bodenkontakt komprimiert wird und wenn er frei von Pilz- und Bakterienbefall ist. Furchen sind also ein schlechtes Zeichen was aber durch eine “Ballensanierung” mit zinkhaltiger Salbe und NICHT durch ausschneiden des Strahls bekämpft wird. Die Eckstreben werden von vielen Hufbearbeitern gekürzt, oftmals aus ästhetischen Gründen oder weil sie angeblich auf die Sohle drücken. Was man weiß ist, dass Druck auf die Eckstreben im Inneren des Hufs die Bildung von Solenhorn und die Produktion von Knorpelfasern anregt. Die Beobachtungen lassen vermuten, dass die Eckstreben vorübergehend andere Strukturen (z.B. Ballen oder Strahl) entlasten indem sie prominentere Formen annehmen und sich, wenn es nicht mehr nötig ist wieder zurückbilden. Deswegen wird zumindest nicht ohne triftigen Grund an den Eckstreben herumgekürzt. Denn vielleicht bauen sie sich ja gerade einen Strahl…

Hufwand und “Mustangrolle”

Ein gängiges Problem, sind etwas zu lange Zehen was zu einer Zerrung der Lamellen führt, die die Hufwand mit der Hufkapsel verbindet. Der oben am Huf angelegte Winkel kann dann oftmals nicht bis zum Boden hin gehalten werden und der Huf nimmt eine konkave Form an. Die Hufwand aber dient zum Schutz der inneren Hufteile und sollte so dich wie möglich sein. Deswegen ist es NICHT angebracht den “Schnalbel” vorne einfach wegzuraspeln. Das würde die Hufwand nur dünner machen. Was kann man also machen um unsere suboptimalen Haltungsbedingungen auszugleichen? Es bleibt uns nur die so genannte Mustangrolle: Die äußere Hufwand kann im bis zu 45° Winkel (je nach Boden auf dem das Pferd laufen soll, auf weichem tiefen Boden steiler, auf hartem geraden Boden flacher; also auch je nach Jahreszeit) von unten angeschrägt werden bis sich der Huf neu organisiert hat und wenn man die Haltungsbedingungen anpasst sogar so bleibt. Man raspelt also von unten den pigmentierten äußersten Rand* des Hufes mit sagen wir 45° zum Boden ab. Der Huf wächst nach, durch diese Maßnahme (weil weniger Hebelwirkung) ein Stück weiter an dem Winkel entlang der nah am Kronenrand angelegt wurde. Macht man das über einen Zeitraum hinweg hat man irgendwann einen geraden Huf bei dem die weiße Linie schmal und gesund ist. Bei leicht schiefen Hufen kann man die längere Seite steiler anschrägen als die kurze. Mehr darf man bei einem normalen Huf nicht machen. Bei krassen, deformierten Hufen darf man es eh nicht selber herumschneiden und raspeln. Keiner der kein Chirurg ist würde es wagen bei anderen Gelenken herumzubasteln.

Die Idee ist ist hier von der Seite darsgestellt. Es wird also die Hufwand von unten angeschrägt um es ihr zu vereinfachen an der gedachten Linie, wie oben angesetzt, weiter zu wachsen. Die Abschrägung beginnt da wo die Verlängerung des gut geformten hufs den Boden treffen würde. Von da aus 45° nach oben. Von der Höhe wird nichts weggenommen.

Von unten gesheen würde in dem Beispiel von der schwarzen zur gestrichelten Linie abgeschrägt. Die schwarze würde also den Boden berühren und die gestrichelte dann in der Luft sein.

Hufbein und hydraulischer Stoßdämpfer

Da Mustanghufe alle niedrige Trachten haben könnte man dazu neigen die Trachten zu kürzen. das ist aber keine gute Idee. Erstens ist die Haupteigenschaft der Mustangtrachten, dass sie gerade bis ausgestellt sind (also nicht untergeschoben) und zweitens sind die Ballenpolster dort sehr dick was das Hufbein hinten um einen Winkel von 3° bis 8° anhebt. Wird der Huf in der Bewegung voll belastet, verbreitert er sich vor allem im Ballenbereich und senkt sich dabei hinten ab bis das Hufbein dann, im Moment der höchsten Belasung, parallel zum Boden steht. Das ermöglicht einen relativ neu entdeckten Mechnismus im Huf. Nämlich ein hydraulischer Stoßdämpfer: Wenn das Pferdebein sich in der Luft nach vorne bewegt fließt vermehrt Blut in/unter den Huf. In dem Moment in dem das Pferd den Huf belastet klemmen die scharfen Kanten des Hufbeins die Blut Zu- und Abfuhr ab. das Pferd tritt also auf ein Flüssigkeitsgefülltes Kissen (wer Futurama geguckt hat: so wie bei Kif, haha). Im Moment des Entlastens hebt sich zuerst der hintere Teil des Hufbeins und das unter Druck stehende Blut schießt wieder nach oben. Dieser Mechanismus ist auch desegen wichtig weil das Röhrenbein keine Muskeln die so eine Funktion wie eine Wadenpumpe bei uns erfüllen könnten.

Erbsenkies und wenig Stehzeit

Das wichtigste ist wie immer, wie vor allem wie immer beim Umgang mit Pferden und Reiten nicht hie und da einen Trick oder Kniff anzuwenden sondern das Gesamtsystem stimmig zu gestalten. Es ist gut Kniffe zu kennen (wie im Fall der Hufe das Anlegen einer Mustangrolle) aber der Kniff allein wird nicht ausreichend sein. Neben angemessener Fütterung natürlich ist es wichtig die Stehzeit der Pferde zu minimieren. Ich selber habe bei der Forderung den Pferden viel Bewegung zu geben heimlich gedacht “Wenn ich drei Stunden durch den Wald galoppiere haben sie ja an dem Tag schon ihre Kilometer gemacht.” Darum geht es bei der Hufgesundheit aber nicht. Nicht um die Strecke sondern um die Zeitspanne in der sie in Bewegung sind. Drei Stunden rennen und 21 herumstehen bringen es nicht. Also wäre eine Maßnahme das Heu weitläufig auf den Auslaufflächen zu verteilen, damit sie den ganzen lieben langen Tag herumlaufen und das Heu einsammeln. Und das auf möglichst unterschiedlichen Böden. Wobei 8 mm runder Kies offenbar die besten Effekte auf die Hufe hat. Man könnte also überlegen wie und wo man die Pferde dazu bringt über einen Bereich mit diesem Erbsenkies zu laufen.

Das war schon mehr als ich eigentlich schreiben wollte aber weitaus weniger als es zu wissen gibt. Weiterlesen kann man u.A. hier auf der Seite von Pete Ramey und nach Natural Hoofcare im Internet suchen. Da kann man sich dann die nächsten Jahre durchlesen. Ich würde, ach ne ich bin ja schon, zu einem Workshop mit Barbara Kelly gehen!

* Bei weißen Hufen der Rand der bei dunklen Hufen pigmentiert wäre.

Natural Hoofcare

Dienstag, Januar 29th, 2013

Wokshop mit Barbara Kelly war super und auf jeden Fall empfehlenswert! Sobald ich Zeit habe kommt ein Bericht.

1 + 1 = 2

Dienstag, Januar 29th, 2013

Im Jahr 2010 haben Kathrin Kienapfel und Holger Preuschoft aus der Universität Bochum sich die Mühe gemacht und nachgemessen, dass ein Pferd mit zugebundenem Maul dieses nicht auf bekommt. Hehe,… Nein, im Ernst, es gibt ja tatsächlich Leute, bzw. es wird in der breiten Praxis so gehandhabt, die die Nasenriemen eng zubinden. Obwohl es in allen Reitlehren anders empfohlen wird. Die so genannte Zwei-Finger-Regel wird  praktisch nie beachtet. Entweder es wird behauptet sie gelte nur für den Sperriemen, nicht aber für das englische Reithalfter oder es werden zwei Finger seitlich in die Nasenhöhle des Pferdes geschoben, was natürlich überhaupt nichts zur Lockerheit des Riemens aussagt. In der Studie kann man es nun nachgemessen nachlesen (auf deutsch).

Man sollte ja nie müde werden diese Offensichtlichkeit so lange zu wiederholen, bis es nicht mehr normal ist einem Pferd das Maul zuzubinden, ja sogar Umlenkrollen an die Reithalfter zu bauen und Gummiunterlagen darunter zu legen damit sich keine Ödeme bilden! Mal ganz davon abgesehen, dass es doch zumindest überdenkenswert ist ob es gut ist, wenn man mit einem Tier komunizieren möchte, als erstes dessen Maul zuzubinden um seine Reaktionen auf die “Kommunikation” zu unterbinden.

Haarspalter und Pingel

Samstag, Januar 26th, 2013

Die Sache mit der Pferdstirn und der Senkrechten raubt so manchem den Nerv.

Mir weil es mich wirklich bestürzt wie unterschiedlich die Wahrnehmung einer so einfach zu erkennenden Gegebenheit ist, wie ob etwas vor oder hinter dem Lot zum Erdmittelpunkt steht (zumindest wenn es nicht um Nachkommastellen genau sein muß) sowie dessen Häufigkeit und Dauer (”mal” und  “kurz”), sein kann.

Manch anderen weil angebliche Haarspalter und Pingel es immer “übertrieben” genau nehmen müssen und das lästig ist. Ein häufig verwendetes Argument ist die Tatsache, dass manche Pferde eben dazu neigen hinter die Senkrechte zu kommen.

Das Argument finde ich persönlich interessant! Denn es gibt ja auch Pferde die dazu neigen über oder gegen den Zügel zu gehen. Manche neigen dazu, wenn sie einen Reiter auf ihrem Rücken spühren, klemmig zu gehen oder wegzurennen oder gar den Rücken wegzudrücken…

Wenn wir beim Zügel und der Tendenz mancher Pferde dahinter zu kommen bleiben, ist es interessant, dass meistens genau die Reiter die dies als “ist bei manchen eben so” hinnhemen wesentlich weniger großzügig bei Pferden sind die eben dazu neigen über oder gegen den Zügel zu gehen. Vielleicht liegt es daran, dass man letztere mit ein wenig “Ritsch-Ratsch” auf dem Zahnfleisch oder im Zweifelsfall indem man dieses an den Sattelgurt festbindet, auch auf einfache Weise beheben kann. Damit es nicht zu auffällig ist was die Pferde davon halten, muss man zusätzlich nur noch das Maul noch zubinden. Hat das Pferd dann verstanden, dass es den Kopf besser unten behält, muss man ab da die Hände einfach still und tief halten und fertig ist die Laube. Nicht schwer zu bewerkstelligen will ich meinen. Nicht, dass das eine elegante Lösung wäre aber es sieht auf den ersten Blick nach einer aus.

Bei Pferden die dazu neigen hinter den Zügel zu kommen ist die Korrektur (das Verständnis des Pferdes, dass es den Kontakt suchen und halten soll plus das Vertrauen es mit entspanntem Maul zu tun) etwas komplizierter. Und weil kompliziert doof ist und es mit der einfach zu merkenden Regel die Hände immer tief und still zu halten und ordentlich zu treiben meist eben nicht getan ist, wird es einfach als “kann man nichts machen” hingenommen oder gar als erwünscht umdeklariert.

Dafür, dass das aber nicht wünschenswert ist gibt es diverse Argumente. (Gleichgewicht ist auf den Vorderbeinen, in der Kommunikation fehlt das “Wort” für Genick öffnen, die gewünschten Muskeln werden nicht trainiert sondern andere, es bildet sich ein falscher Knick im Hals und das ist ungesund, das Pferd kann nicht gucken wo es hinläuft es kann schlechter atmen,…).   Sprengt leider den Rahmen.

Da die Pferde die dazu neigen hinter den Zügel zu kommen ohne Reiter diese Neigung meistens weniger zum Ausdruck bringen (außer wirklich mal und kurz) wäre mein erster Lösungsansatzgedanke am anderen Ende des Zügels etwas anders zu machen und/oder dem Pferd einfach beizubringen den Zügel anzuspannen.

Das waren meine heutigen Gedanken als es mal wieder hieß: “Es gibt eben Pferde die gehen halt mal leicht hinter der Senkrechen.” Stimmt ja auch aber deshalb kann man dem Pferd ja dennoch beibringen es nicht mehr zu tun.

Viele gute Texte

Donnerstag, Dezember 20th, 2012

Hier mal herumzulesen lohnt sich sehr.

Besonders die “Beherzigungen” haben mich erfreut.

Spirale der Genauigkeit und Dreifaltigkeit

Mittwoch, November 28th, 2012

Ich beginne mal ganz wichtig mit einem Zitat. Von Pablo Casals ist es. Er ist zwar nicht geritten aber er spielte Cello und das ziemlich gut…

Und zwar antwortete er im Alter von 93 Jahren auf die Frage warum er immer noch 3 Stunden am Tag Cello üben würde: “Ich beginne gewisse Fortschritte zu bemerken… Und das ist es was in mir ist. Ich merke, dass ich besser werde”

when Casals (then aged 93) was asked why he continued to practice the cello three hours a day, Casals replied, “‘I’m beginning to notice some improvement…’ [A]nd that’s the thing that’s in me. I notice myself getting better at this,”

Es gibt immer etwas zu verfeinern und verbessern und wer behauptet er könne schon reiten kann es mit relativer Sicherheit eben nicht! Denn ihm fehlt das Verständnis dafür wie komplex und wie fein es überhaupt sein kann. Behaupte ich jetzt einfach mal so. Es ist eine Art Spirale der Genauigkeit und somit der Feinheit. Als Gegensatz zur Spirale der Gewalt. Die Betonung liegt jedoch auf Genauigkeit, denn immer wieder höre ich “Feine Hilfegebung” aber was nützt es fein und zart zu sein wenn es nicht durchdacht, mit System, effektiv und sinnvoll ist? Viele Reiter reiten mit feinen Hilfen, dennoch sind sie oft machtlos wenn das Pferd etwa den Kontakt zum Zügel meidet, die Dehnungshaltung oder die Aufrichtung verweigert, nicht auf  Schenkelsignal hin größere Schritte macht oder andere Dinge nicht von sich aus macht und deswegen Signale dafür lernen müßte aber nicht beigebracht bekommt. Denn fein und nett sein allein ist halt noch keine Sprache.

Aber ich will ja nicht abschweifen… die Spirale der Genauigkeit also… ja, man kann immer noch genauer und mit noch unmerklicheren Signalen noch vollkommenere Reaktionen hervorrufen. Es kann immer noch etwas präziser sein, man kann damit spielen “ein bischen mehr” und “ein bischen weniger” sagen zu können oder Übergänge jeder Art geschmeidiger und lockerer hervorzurufen. Man kann Tritte verlängern und dann wieder mehr nach oben herauslassen, man kann die Seitengänge in Dehnung oder in Aufrichtung reiten oder in einer Position dazwischen, mit mehr oder mit weniger Abstellung usw. Und die Seitengänge führen mich zur erwähnten Dreifaltigkeit, hehe.

Im laufe der Ausbildung sollte das Pferd immer leichter auf Schenkel- und Zügelsignale hin reagieren uuund auf Gewichtsignale. Die Gewichtshilfen sind die dritten im Bunde. Man setzt sie ganz natürlich beim Anhalten und Rückwärtsrichten ein aber auch bei den Seitengängen. Und hier ist die Idee der Légèreté anders als z.B. Natural Horsemanship und verschiedene Dressurgedanken. “Wir” sitzen immer in Bewegungsrichtung nicht immer in Biegungsrichtung, das erwähnte ich hier bestimmt schon mehrmals und das kann man auch z.B. in “Irrwege der modernen Dressur” nachlesen. So ein Blog soll ja kein Lehrbuch sein sondern Erlebnisse aus der Praxis erzählen. Also los: Traversalen, da neigen viele Menschn, ich leider mit einbegriffen, sich erstens zu verkrampfen und zweitens unnötig deutlich die Beine irgendwohin zu plazieren. Die Aha-Effekt-Lösung ist nun, dass wenn man das Schulterherein, so wie wir es machen den Steigbügel in Bewegungsrichtung hin belastend reiten, inneres Bein am Gurt, äußeres verwahrend leich (!) zurückgelegt man durch simples Gewichtumlagern, also anderen Steigbügel mit Gewicht belasten in die Traversale zur anderen Richtung hin gelangen kann. Ohne irgendein Bein oder Zügel irgendwo anders hin zu bewegen. Natürlich kann man in unveränderter Beinposition statt mit dem inneren Bein am Gurt nun mit dem äußeren Bein leicht (!) zurückgelegt korrigieren falls das Pferd nicht gleich auf die Gewichtshilfe reagiert. Übergänge von Schulterherein-Traversale-Schulterherein nur ducht Gewichtshilfe macht das Pferd aber aufmerksam auf dieses Signal und das ist wichtig und elegant!

Fotos gibt es leider keine weil kein Wetter war und alle verwackelt sind.

Forschung

Montag, Oktober 29th, 2012

Sucht noch jemand nach einem Master- oder Promotionsthema? Wie wäre es mit einem Australienaufenthalt und der Erforschung von Reittechniken auf das Wohlbefinden der Pferde?

Schaut mal in der Universität in Sydney nach! Für Hundeinteressiert ist auch was dabei. Ich habe ja leider schon…

Dehnungshaltung

Freitag, August 24th, 2012

Über Aktion-Reaktion oder Biegung?

Nachdem das Pferd gelernt hat auf weiche Zügeleinwirkung im Maulwinkel mit nachgeben im Unterkiefer zu reagieren soll es lernen den Zügel anzuspannen um den Kontakt zum Reiter aufrecht zu erhalten. Das Pferd muß also sein Genick öffnen um sich mit der Reiterhand zu verbinden. Das ist natürlich etwas ganz anderes als wenn der Reiter den Zügel kürzer nimmt um den Kontakt zum Pferdemaul herzustellen. Das ist für mich von der Einstellung genau so wie ein Pferd, dass zum Aufsteigen an die den Reiter herantritt im Gegensatz zu einem was zu ihm hingeschoben, getrieben oder gar gehalten werden muß…

Hat man eingesehen, dass man dem Pferd beibringen möchte den Zügelkontakt zu suchen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zwei davon können mit dem Zügel angewendet werden und es hängt vom Pferd und der Situation ab für welche man sich zu einem gegebenen Zeitpunkt entscheidet (hier nicht besprochen sind die Möglichkeiten, etwa über Klickertraining z.B. über ein Wort oder Signal mit der Hand auf dem Widerrist eine Dehnungshaltung mit dem Pferd zu vereinbaren).

Man kann die so genannte Aktion-Reaktion oder die Biegung einsetzen um dem Pferd nahe zu legen den Zügel anzuspannen indem es den Genickwinkel öffnet und die Nase nach vorne nimmt. Und auch wenn es natürlich nicht immer ganz eindeutig ist und man den pferden im Prinzip beides beibringen sollte kann man über den Daumen peilen wann welches angebrachter ist.

Ein Pferd was Vorbehalte hat überhaupt Kontakt zum Gebiss zu haben, sich einrollt (ganz “leicht” am Zügel ist) oder nach oben hin entfleucht (wie z.B. oftmals Friesen) wenn man den Kontakt anbietet ist eher mit Aktion-Reaktion dazu zu bewegen eine gewisse Zügelspannung zu tolerieren. Diesen Pferden öffnet man zunächst den genickwinkel, was vermutlich nur in ener hohen Kopfposition gelingen wird und baut da oben eine nette Verbindung mit dem Zügel auf. Diese hält man (so elastisch und freundlich man nur kann) für eine Weile aufrecht (sagen wir mal 10 oder sogar 20 sec.) und bietet dann dem Pferd an mit dem so erreichten Genickwinkel und der so bleibenden Zügelspannung den Hals langsam zu senken. In dem Moment wo das Pferd den Kopf dabei hinter die Senkrechte nimmt oder den Kontakt aufgibt hebt man den Kopf wieder um das Genick zu öffnen und erklärt es nochmal. Senkt das Pferd den Kopf, behält das Genick dabei offen und den Zügel angespannt gibt man ihm einen etwas leichteren Zügel (ohne ihn durchhängen zu lassen). Das macht man in aller Ruhe bis das Pferd vertehen kann, dass es den Zügel anspannen soll und dass es gar nicht schlimm ist wenn der Zügel dabei ansteht. Es soll sein als ginge man Hand in Hand mit dem Pferd. Das Pferd darf den Kopf dabei bewegen nur verstärkt man den Kontakt wenn es ihn in eine unerwünschte Position begibt und vermindert ihn in der gewünschten. Wie hier schon oft erwähnt natürlich immer in die Mundwinkel und nie auf die Laden.

Pferde die keine Probleme haben, die weder Angst vor dem Gebiss haben noch dazu neigen hinter die Senkrechte zu kommen oder sich oben eng zu machen bringt man die Dehnungshaltung eher über die Biegung und die Rundung des Halses bei. Auch bei Pferden die dazu neigen sich auf das Gebiss zu legen oder daran zu zerren wäre die oben beschriebene Variante eher nicht so von Vorteil… Am besten man fängt ganz einfach an, auf der Geraden den Hals in hoher, also normaler Position seitlich zu Biegen. Dazu dreht man einfach die Fingernägel der inneren Hand nach oben und schließt langsam den Ellbogenwinkel bis das Pferd ein bischen nachgibt. In diesem Moment fasst man den Zügel nach und senkt dabei die Hand ab. Dann wiederholt man es bis das Pferd genügend gebogen und locker ist.  Es darf den Kopf dabei erstmal NICHT absenken. Macht es das brav und schleckt dabei an seinem Gebissstück und zeigt sich nicht verspannt entlässt man es in eine Volte in der es sich hinein dehnen darf. Also din der Biegung bleibend den Kopf senkt. Dort unten hält man dann wieder einen sehr netten Kontakt zum Maul ohne die Zügel durchhängen zu lassen. Später braucht man nur noch die Fingernägel der inneren Hand etwas nach oben drehen um das Pferd daran zu erinnern, dass es den Zügel anspannen soll wenn man ihm Zügel gibt.

Das Ziel ist ein Pferd was immer den Kontakt zur Reiterhand sucht und wenn man den Zügel durch die Finger aus der Hand gleiten lässt oder mit den Händen langsam vor geht, sich diesen Zügel mit nach vorne nimmt.

Es ist alles mit sehr viel Fingespitzengefühl und gleichzeitig großer Klarheit verbunden und es gibt noch ein paar Kniffe wie man es dem Pferd leichter macht. Hier wollte ich mir selber und diejenigen die es interesseirt nur nochmal über diese zwei verschiedenen Herangehensweisen Bewusstsein und etwas mehr Klarheit verschaffen.

Profifotos kommen noch aber hier ist schon mal die Witka wie sie Dehnung über Aktion-Reaktion lernt.

Am dritten Tag hatte sie es so gut verstanden und so zuverlässig ausgeführt, dass wir sie dann schon hoch holen, das Genick bereits etwas schließen und Schulterherein im Trab reiten konnten (denn sie soll natürlich nicht für immer nur in Dehung laufen…). So schlau ist sie und so effektiv ist die Methode!

Sie sieht aus wie ein englisches Gemälde! So wunderschön.

Die Wissenschaft hat festgestellt…

Freitag, August 24th, 2012

… festgestellt, festgestellt, das Hyperflexion Stress enthält, Stress enthält. D’rum reiten “wir” auf jeder Weise, jeder Weise, jeder Weise Hyperflexion kilometerweise, kiiilomeeeterweise!

Uni-Exkursion ins Weideparadies

Donnerstag, August 9th, 2012

Ich hatte es ganz vergessen zu erwähnen: Wir waren mit einer Gruppe im “Weideparadies”. Das Konzept ist super und es gab viele Informationen, von Huf-Vorher-Nachher-Bildern bis zu GPS-Daten zur Bewegungsaktivität der Pferde! Und wer nicht mit war kann auf der Homepage eine Vielzahl von tollen Fotos bewundern. Ich habe schon einmal darüber berichtet. Es gab aber nochmal viel Neues dazu.

Hohe Hand und Dehnungshaltung

Sonntag, Juni 24th, 2012

Weil eine Reiterhand die nicht auf den Oberschenkeln festgetackert zu sein scheint Aufsehen erregt (und offenbar nicht jeder die Muße hat Bücher darüber zu lesen) dachte ich hier mal in kürzesten Stichpunkten eine Idee zu vermitteln.

Das Ziel ist eine mehr oder weniger ungebrochene Linie vom Zügel und dem Unterarm des Reiters. Wobei  mir persönlich aus ästhetischen Gründen schon immer eine  einen Hauch nach oben gebrochene Linie schon immer besser gefallen hat. So wie bei Dr. Reiner Klimke in etwa. Hat das Pferd sein Kinn an die Brust gezogen ist diese Linie gerade wenn die Hand sehr tief ist aber das ist ja NICHT under Ziel.

Das ist also das Ziel über das sich die meisten Reiter einig sind.

Was tut man aber nun wenn das Pferd, weil es eine Neigung dazu hat oder weil es das nicht anders gelernt hat, seine Hals und Kopfpositionnicht nach Reiterbelieben einstellen läßt oder sogar eine wenig hilfreiche oder schädliche Position einnimmt?

Dann kann ein Weg sein (und diesen verfolge auch ich) es dem Pferd durch das beibringen einer Signalsprache genau zu erklären. Dazu braucht man für jede Positionsänderung ein Signal. Genickwinkel öffnen, Genickwinkel schließen, hoch, tief, links, rechts. UNABHÄNGIG voneinander! Also vor allem auch tief dabei Genick nicht schließen und Genick schließen dabei nicht tief und links und rechts dabei Genick nicht schließen. Die anderen Kombinationen sind einfacher und viele Pferde haben sie auch nur als Kombination gelernt.

Da die Maulwinkel elastischer und somit weniger schmerzempfindlich auf Druck mit dem Gebiss sind als Zahnfleisch und Zunge zwischen Zahnfleich und Gebiss geklemmt ist die Idee, dass man, wenn man einwirken muß lieber nach oben anstatt nach hinten (oder gar unten) einwirkt. Auch da sind sich, dachte ich früher immer alle einig, denn “die Hand soll niemals rückwärts wirken”. Das ist keine neumodische Erfindung. Naja, ich dachte damit sei also klar, dass Paraden somit Auffwärts wirken. Abwärtswirkende Hände, das ist so eine neue Modeerscheinung…

Nun ja, da ich also die Aufwärtswirkung sinnvoller finde bleiben hier dreiei Grundeinwirkungstypen:

- ich nenne es mal Kontaktaufnahme: weiche, leicht knetende Einwirkung mit aufwärtsgerichteten Fingerlägeln soll das Pferd dazu bringen den Unterkiefer loszulassen, zu lecken und zu signalisieren, dass es zuhört und bereit ist. Wendet man es nur auf einer Seite an kann man den Pferdehals biegen indem man den Ellbogen dabei anwinkelt, den Zügel nachfasst wenn der Pferdekopf mitkommt und die Hand wieder absenkt.

- Demi arrêt: kurze vibrierende oder pulsierende Auffwärtsbewegungen der Hände (je nach Situation) wenn das Pferd mehr Gewicht auf das Gebiss legt als einem lieb ist.

- Aktion-Reaktion: ein konstanter Zug in Richtung Reiternase durch schließen des Ellbogenwinkels, der das Pferd animieren soll den Zug in die entgegengesetzte Richtung zu erwiedern. Also nach vorne-unten Richtung korrekte Dehnungshaltung.

Ich denke letztere ist diejenige die häufiger mißverstanden wird da die Hände allen Kopfbewegungen des Pferdes folgen was am Anfang so aussehen mag als würden der Reiter diese Bewegungen und Positionen so verlangen.

Die Idee dabei ist aber:

- Egal was das Pferd macht, der Kontakt zur Reiterhand bleibt wie ein Gummi immer gleich bzw. er wird deutlicher wenn das Pferd eine unerwünschte Position wählt und sehr freundlich aber dennoch da, wenn es eine gewünschte Position wählt.

- Bis es diese Idee verstanden hat und in den gewünschten Positionen bleibt (ohne dort festgehalten werden zu müssen). Dann ist auch die Reiterhand ganz ruhig weil sie nur noch freundlich im Wunschbereich bleibt.

Die beiden häufigsten Probleme die so korrigiert werden sind “hinter dem Zügel” gehen und “über dem Zügel” gehen.

- Also wenn die Pferde sich entweder dem Kontakt mit dem Zügel entziehen, sich dahinter verkrichen, sich aufrollen, was besonders beim Versuch eine Dehnungshaltung zu erreichen die Pferde am falschen Halswirbel abknicken läßt (zwischen 2. und 3.), hinter die Senkrechte und auf die Vorhand bringt. Hier ist die Idee dem Pferd in einer hohen Halsposition (weil man ihm hier das Genick am einfachsten offen halten kann) einen netten Kontakt gibt bis es sich daran gewöhnt und dan so bals es möglich ist den Hals wieder in eine natürlichere Haltung gleiten zu lassen aber nur solange das Pferd den Kontakt hält. Wenn es wieder verschwindet fängt man von vorne an.

- Sich gegen den Zügel nach oben heraushebeln auch um den Kontakt loszuwerden. Hier begleitet man das Hochnehmen des Kopfes durch Hochnehmen der Hände. Und da man das Pferd nicht in diesm Auswichmanöver belohnen will indem man dort oben den Kontakt aufgibt und es aber auch nicht durch Druck auf dem Kiefer dafür strafen will oder es gar unten festzuhalten versuchen sollte, hebt man die Hände noch ein Stück höher als das Pferd den Kopf gehoben hat und erhöht somit den Druck (niemals ruckartig) auf die Maulwinkel. Das ist zwar nicht schön für das Pferd aber auch nicht schmerzhaft (ich stelle es mir so vor wie wenn man jemandem die Unterhose in die Kimme zieht). Sucht das Pferd nach Lösungen für diese Situation beharrt man einfach mit seinem Kontakt in den Maulwinkeln bei allen Aktionen die das Pferd nach oben oder zu den Seiten anbietet und belohnt jede noch so kleine Idee nach unten-vorne.

Da die Bewegungen des Pferdekopfes sehr schnell sein können und man ja wie ein Gummiband sein soll bleibt keine Zeit das Zügelmaß ständig zu ändern. Also nimmt man die Zügel in der Länge auf in der man sie bräuchte wenn das Pferd in der Zielposition ist, z.B. der Dehnungshaltung, Mähnenkamm in der Waagerechten, Genick deutlich geöffnet. Somit sind die Reiterhände entspannt und tief (so tief wie die Linie Pferdemaul-Hand-Ellenbogen) wenn das Ziel erreicht ist. Solange das Pferd noch nach Lösungen schucht bleibt nach dieser Methode keine andere Wahl als die Hände auch mal breit und hoch zu tragen um den Kontakt flexibel halten zu können bis das Pferd die Lösung gefunden hat.

Die Hände sollen deutlich mit nach unten gehen wenn das Pferd nach unten geht. Allerdings gibt es Pferde die sehr empfindlich auf den Laden sind oder Druck auf den Laden so nachhaltig mit Einrollen oder kämfen verbunden haben, dass es, warum nicht (!) auch sein kann, dass man sich am Anfang mit Zügelkontakt zu den Maulwinkeln zufrieden gibt weil es für ein Pferd was gar keinen Kontakt ertragen hat ein großer Fortschritt ist. Das aber heißt, dass die Hände in dieser Zeit immer etwas höher als die Maulwinkel sind.

Hui, ganz schön lang geworden und dabei ist nur die Grundidee angekratzt. Aber vielleicht macht sie ja den Einen oder Anderen neugierig auf mehr.

To leglesson or not to leglesson, that is the question

Donnerstag, März 22nd, 2012

Im Moment gibt es leider keine neuen Fotos

Die leg lesson, oder Schenkellektion, ist ein Vorgehen bei dem man dem Pferd die Bedeutung des Reiterschenkels erklärt. Wer schon weiß wie es geht kann diesen Abstz überspringen und direkt zu dem kommen was ich hier in den Raum werfen wollte. Ein junges oder nicht ganz korrekt unterwiesnes Pferd weiß nicht was es bedeutet wenn der Reiter Signale mit dem Schenkel gibt (grob gesagt: zwei Schenkel soll heißen vorwärts und zwar schneller, ein Schenkel soll heißen seitwärts). Das muß man dem Pferd so erklären, vorrausgesetzt man hat es selber so klar vor Augen. Also gibt man sein leichtes Schenkelsignal und erklärt durch antippen mit der Gerte, dass das Vorwärts heißt. Geht das Pferd vorwärts ist man glücklich. Wird es dann von alleine wieder langsamer nimmt man nicht etwa wieder den Schenkel sondern erklärt direkt mit der Gerte, dass es nicht selbständig langsamer werden soll sondern dann sogar besser schneller. Hat das Pferd das Verstanden, tritt aber zu langsam oder träge an schickt man es sofort in die nächsthöhere Gangart und die möglichst flott. Dann hat es die Wahl zwischen sofort und fleißig z.B. im Schritt anzutreten oder im Trab oder gar Galopp zu fetzen. Das verstehen die Pferde normalerweise sehr schnell. Die Gerte sollte im übrigen immer “erklärend” nicht “strafend” eingestezt werden. Das kann uch mal deutlich sein aber nie so sein wie “FALSCH! Du hast nicht gut genug reagiert! Klatsch”. Das Ganze kann man natürlich statt Gerte mit einem Seil oder einer Plastiktüte-an-Stab, oder Sprühflasche machen. Alles was dem Pferd die Idee gibt loszulaufen.

So eine Schenkelerklärung ist eine klassische Konditionierung und klappt sehr gut. Aaaber… Was ist wenn das Pferd es prinzipiell verstanden hat aber dennoch nicht prompt und voller Schwung und Eifer reagiert und losmarschiert wie ein Paradepferd? Ich denke kaum, dass es nicht will. Ich denke es kann vielleicht nicht. Ja! Und zwar nicht weil es lahm ist oder ähnliches sondern weil es sich verkrampft. Bei Rennpferden konnte in einer Studie gezeigt werden, dass die Peitsche im Endspurt keinen Einfluß auf den Sieg hat und in einem Rennpferdetrainingsbuch, dessen Titel ich gerade nicht parat habe, wurde sogar gemutmaßt, dass die Peitsche im Endspurt die Pferde sogar langsamer macht, eben weil sie sich verkrampfen und dann keine optimale Leistung mehr bringen können. Vielleicht halten sie sogar den Atem an.

Ich kenne das nur zu gut: Ich habe eine Aufgabe verstanden (deklaratives Gedächtnis) kann sie deswegen aber noch lange nicht ausführen (prozedurales Gedächtnis). Und das gilt nicht nur für kompliziere Dinge wie ein Salto Mortale. Wenn man gehetzt ist oder wird dann verbockt man manchmal die einfachsten Abläufe und bewegt sich auch nicht geschmeidig, mit losgelassener und dabei kraftvoller Muskulatur, fast wie im Tanz… und probiert mal wie es sich anfühlt ein paar federnde Schritte einzubauen und hüpft wie auf einer Frühlingswiese. Wenn ich gehetzt werde stopler ich über meine eigenen Füße, mache kurze abgehackte Bewegungen, schmeiße Sachen um die ich versuche hastig wieder hinzustellen und dabei bleibe ich am nächsten Gegenstand wiedermals hängen, spanne alle Muskeln an, die ich habe (was für geschmeidige Bewegungen nicht gerade hilfreich ist) und brauche eine ganze Weile um wieder auszuspannen. Ich war dabei nicht faul und nicht wiederspenztig, ich war nicht ungehorsam und nicht unmotiviert. Ich war nicht losgelassen. Und Losgelassenheit ist etwas, dass man eher nicht mit einer Peitsche erreicht und natürlich nicht mit drückenden Schenkeln.

Meine beiden Pferdekandidaten reagieren zumindest extrem positiv darauf wenn ich die Schenkel nur als Rhythmusänderungssignal gebe und statt direkt mit der Gerte zu kommen die Übergänge einfach nochmal und nochmal abfrage, immer genau so zart aber schnell aufeinanderfolgend (z.B. 3 oder 5 Galoppsprünge-Schritt, nochmal). So präzise es geht aber nie “lauter”. UND (!) selber maximal losgelassen sein. Denn das ist ein sehr guter Gedanke:

Man sollte lieber mal an sich arbeiten bevor man meint irgendetwas am Pferd verbessern zu wollen. Meistens muß man dann nämlich garnichts mehr am Pferd verbessern wenn man sich fertig korrigiert hat. Das gilt auch für die Losgelassenheit und den Schwung. Ich achte im Moment nur darauf, dass meine Arme und Beine hängen wenn ich reite und dass ich den Rhythmus spüre und wie es Ray Hunt schreibt: den Beinen die Zeit gebe zu reagieren. Wenn ich also ein Bein bewegen oder anhalten will das andere Bein schon mal so plaziere, dass es dem angesprochenem Bein leicht fällt. Er sagt z.B. beim Anhalten verlangsamt man ein Bein und stoppt dann das andere. Oder wenn ein Bein nach außen zur Seite treten soll, dann plaziert man das andere Bein schon einen hauch weiter innen um es zu erleichtern.

Mein Fazit aus den letzten Wochen ist, dass meine Pferde keine Leglessons gebraucht haben sondern einen einfühlsameren Reiter.

Nachtrag: Der Eomèr war gestern Abend so eifrig, dass er selber seinen tollen Fliegtrab angeboten hat und ich ihn nur lassen und bewundernd loben mußte.

Wissensschnipsel

Sonntag, Februar 12th, 2012

Mirchen am Tag nach dem Kurs, Obeyah passt auf. War wohl anstrengend…

Was haben wir am Wochenende gelernt? Einiges. Leider erstmal, dass ein gefrohrener Hallenboden auch dann nicht besser wird wenn man ihn eggt und eine Art Gefrierschotter daraus macht… Mirchen-Unkaputtbar konnte sogar halbwegs darauf laufen Eo hat sich sehr schwer getan. So wurde der Kurs auf den Samstag beschränkt und heute hatten die Pferde Spaziergehfrei.

Meine beiden Wissenschnipsel vom Samstag die ich hier kundgeben möchte sind:

Bei Mirchen ist die Lernphase um Verständniss der Zügelhilfen längst abgeschlossen, sie ist in der “Kannphase” und nicht mehr in der “Lernphase”. Also brauche ich ihr diesbezüglich nicht mehr groß Erklärungen angedeihen zu lassen sondern kann durchaus auch mal nur die Hände kurz schließen um sie im vorgegebenen Rahmen zu halten, z.B. in Übergängen oder Seitengängen. Dieses kurze “festgestellten” der hand heißt nicht starr und auf keinen Fall ziehend. Darüber habe ich schon einmal was geschrieben und gemalt. Natürlich würde man sofort wieder flexibler wenn das Pferd  Widerstand zeigt. Man muß natürlich immer schlau bleiben und es dem Pferd leicht machen. Ich kann z.B.  verlangen, dass es in Seitengängen die gegebene Haltung bewahrt aber ich kann als Einstieg etwa in die Traversale einen 2 cm tiefer eingstellten Hals anbieten und wenn das Pferd so erstmal locker in die neue Bewegung hineingefunden hat, während der Übung wieder etwas mehr Aufrichtung abfragen. Man braucht dafür das Feingefühl sowohl zu erkennen was für eine Aufrichtung das Pferd leisten kann ohne zu verkrampfen und welche Position für dieses Pferd diese Übung am einfachsten macht. So kann man die eine Position trainieren und die andere benutzen bis vielleicht irgendwann beide die selbe sind.

Beim Eomerreiten ist  mir folgendes besonders hängengeblieben: Ich glaube der Wortlaut war “Wenn er antrabt treibst du schon längst nicht mehr”. Ich habe ab da das Auslassen der Hilfen soweit verbessert, dass ich wirklich das Signal für antraben gegeben habe und dann bereits aufgehört, im Vertrauen, dass nicht mißbraucht wurde, dass er daraufhin antraben wird. Ich habe also aufgehört bevor seine Reaktion kam. Das hat den Vorteil, dass r viel losgelassener in den Trab oder den Schulterhereintrab hineinkommt. Natürlich ist diese Übung auch eher was für die “Kannphase” in der er weiß was das Signal heißt und zuverlässig darauf reagiert.

Ich fand diese beiden scheinbaren Kleinigkeiten irgendwie toll und wirkungsvoll. So toll, dass ich nur mal am Rande erwähne, dass Mirchen letzte Woche fliegenden Galoppwechsel auf der langen Seite von innen nach außen und umgekehrt gerafft hat.  Einfach nach einem Kruppeherein oder -heraus fragen.

Fotos gibt es leider nicht weil die SD-Chipcarte hinter das Armaturenbrett gefallen ist… Es sah aber wahrscheinlich so ähnlich aus wie hier nur mit mehr Winterfell. Hehe.

Ausdauer, Kraft und Präzision

Sonntag, Februar 5th, 2012

Wir haben unser Trainingsprogramm neuerdings etwas bewußter gestaltet. In drei Bereiche unterteil: Ausdauer, Kraft und Verständnis. Letzteres ist, wie ich meine, stark abhängig von der Präsision mit der ich mich verständlich mache. Soweit der Plan!

Bis uns der hart gefrohrene Boden (auch in der großen Halle) ein bischen einen Strich durch die Rechung gemacht hat wurde dieser Plan wie folgt umgesetzt: Für die Ausdauer sind wir morgens oder mittags ins Gelände geritten. Eine gute Strecke mit viel Bergauf und langen, um nicht zu sagen durchgehenden Galopp bzw. Trabstrecken. DieStandardrunde dauert so ca. 1,5 h wenn man Gas gibt und 3 h wenn man trödelt. Wir geben mittlerweile meistens Gas. Ein Pferd geht jeweils als Handpferd ohne Reiter.

Abends geht es dann in die Reithalle, Krafttraining und Verstehen. Für die Kraft, im Sinne von Kraft zu haben bestimmte Körperhaltungen zu halten, haben wir nach dem üblichen Aufwärmen in allen Biegungen und richtungen und Dehnungen, immer längere Reprisen in Aufrichtung mit genickbeugung und Zirkel verkleinern, in Schulterherein und Kruppeherein, bis zu volten in kraftvollem Kruppehereingalopp und ähnliches. Dann ind Vorwärts entlassen und nochmal. Der wachsenden Kraft und Leichtigkeit mit der die Pferde diese Aufgaben verrichtet haben wurden die Kraftreprisen länger.

Auch abends in der Halle habe ich am ewig verbesserungswürdigen Thema meiner Präzision und somit an dem Verständnis der Pferde gefeilt. Im Gelände lasse ich sie am langen, fast hingegebenen Zügel ihren Weg ein bischen selber finden. Im Kontrast dazu sind die Anweisungen in der Halle jetzt so genau wie ich nur sein kann. Das bedeutet NICHT, dass die Pferde  in einer Haltung, Bahnfigur, Seitengang oder Tempo festgehalten werden, nein, sie werden angewiesen dies oder jenes zu tun und in Ruhe gelassen aber dann werden schon geringste Abweichungen kurz korrigiert und sie werden wieder in ihre Verantwortung entlassen.

Die Resultate waren schon bald bemerkbar: 1) Je fitter die Pferde wurden desto lieber sind sie gelaufen. Wirklich erstaunlich was für einen Spaß sie bekommen haben zu laufen, laufen, laufen, auch in der Reithalle. 2) Auch die Kraft in Aufrichtung zu gehen und erhaben zu galoppieren hat sich schnell verbessert. Alles scheint leichter zu gehen. 3) Alle Einwirkungen sind viiieeel subtiler geworden weil ich erstens schon korrigiere bevor überhaupt äußerlich eine Abweichung sichtbar ist und somit ist auch die Korrektur nicht sichtbar und zweitens, so glaube ich, die Pferde endlich mal genau gezeigt bekommen was ich überhaupt von ihnen möchte. Denn wollen tun sie alle!

 

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