Hals hoch Rücken weg?
Freitag, März 15th, 2013Diese fixe Idee geht teilweise so weit, dass Leute schon fast heulen wenn ihr Pferd sich mal nach einem Blatt am Baum reckt und am liebsten den Rehen, Zebras und Gnus Schlaufzügel umschnallen würden wegen der schlimmen Hirschhälse (ich weiß, ich übertreibe)… bei denen es noch nicht so weit gekommen ist kommt zumindest das Argument, dass es ja nicht natürlich ist, dass ein Mensch auf einem Pferd sitzt und man deshalb den Pferden die einzige gute Reittierhaltung, nämlich Kopf unten, beibringen oder im Notfall erzwingen müsse, denn mit Kopf oben drücken sie den Rücken weg, immer, außer sie senken die Hinterhand ab (also in der Piaffe?). Zu bemerken ist aber, dass wenn ein Pferd einen hohen Sprung angeht es in dem Moment vor dem Absprung den Kopf hebt und dabei beide Hinterbeine stark unter den Körper zieht. Dabei wird der Rücken rund, nicht hohl (leider habe ich auf die Schnelle kein Foto von diesem Moment gefunden). Vielleicht sieht man es in dem Video z.B. in der 0:19, 0:24, 0:42 oder 0:51.). Über dem Sprung geht es mit dem Hals in eine deutliche Dehnungshaltung und macht bei weiten Sprüngen, wenn überhaupt dann hier den Rücken “hohl”. Bei der Landung wiederum wölbt das Pferd den Rücken auf und hat den Hals relativ zum Rücken stark angehoben.
Ich will ja nicht behaupten Pferde drücken den Rücken nie weg wenn sie den Hals heben, im Gegenteil, verspannte Pferde tun meistens beides gleichzeitig und wenn der Rücken schmerzt heben sie meist den Hals an. Der Punkt sollte nur sein, dass es kein zwingendes Naturgesetz ist, dass ein hoher Hals ein Hohlkreuz erzeugt. So wie es in vielen Abbildungen suggeriert wird. Die Wirbelsäule des Pferdes ist aber eben KEIN Bogen der von der Hüfte Bis zum Genick geht (wie es leider auch in den tollen neuen FN-Richtlinien gezeichnet ist). Sondern sie sieht aus wie bei vielen anderen Vierbeinern auch, der Hals in S-Form und die Rückenwirbelsäule eher konvex als konkav. Sie sieht nur wegen der langen dornfortsätze konkav aus.
Da das Pferd, wie auch andere Vierbeiner, kein Schlüsselbein hat (das lernt jeder Reitanfänger beim kleinen Hufeisen auswendig), ist die Wirbelsäule an der Brust nur durch Muskeln und Sehnen befestigt. Deshalb sinkt das Pferd zwischen den Schultern ein wenn sich ein Reiter draufsetzt. Das sieht dann aus wie ein Holkreuz wie es sich die meisten vorstellen. Senkt das Pferd nun den Hals, zieht es damit zwar an den Sehnen und zieht den Rücken etwas hoch, das Grundproblem, dass es zwischen den Schultern absackt ist damit jedoch nicht behoben. Im Gegenteil, es kann den Brustkorb zwischen den Schultern nur durch Muskelkraft oben behalten und dafür müssen diese Muskeln auch trainiert und nicht die Bänder gedehnt werden.
Wir haben mal tolle Fotos mit Pfeilen gemacht und einfach mal geguckt wie es aussieht wenn wir einem unserer Pferdchen den Kopf tief bzw hoch bitten. Auch im Steigen hatte Samira den Rücken eher angehoben und das bei maximaler anspannung des langen Rückenmuskels und “rausgedrücktem Unterhals”. Oder unser Rätsel was ich nach den Anfeindungen wegen des Eimerversuchs mal ausprobiert hatte. Es sind nur Anekdoten aber zumindest konnten wir uns überzeugen, dass es jedenfalls nicht IMMER so ist wie oft behauptet: Kopf runter > Rücken hoch, Kopf hoch > Rücken runter. Es kommt eben darauf an. Hier ist es z.B. nicht so. Und bei dem auch nicht.
Natürlich sollte ein Pferd was sich als Reaktion auf den Zügelkontackt hohl macht als allererstes in die Dehnungshaltung gebracht werden bis es sich nicht mehr fürchtet und zwar mit Zügelkontakt auch in der Dehnung, denn es soll ja eben nicht lernen den Kontakt zu meiden, vielmehr soll es lernen ihn zu suchen.


Am dritten Tag hatte sie es so gut verstanden und so zuverlässig ausgeführt, dass wir sie dann schon hoch holen, das Genick bereits etwas schließen und Schulterherein im Trab reiten konnten (denn sie soll natürlich nicht für immer nur in Dehung laufen…). So schlau ist sie und so effektiv ist die Methode!










