Wichtige-Pferde-Video
Freitag, Januar 13th, 2012M&M sehr wichtig in ihrem Winterquartier. Kurzes Poser-Video.
M&M sehr wichtig in ihrem Winterquartier. Kurzes Poser-Video.
Wir haben es besucht, das Weideparadies. Toll war’s! Auf einem 5,5 km Wegesystem bewegen sich die Pferde durch viele verschiedene Aktivitätsbereiche. Vom Wasserloch zum Sandwelzplatz über Stock und Steine, durch den Wald und auf tollen Anhöhen mit Blick über das Tal. Sie können nach Salzsteinen und Kräutern zwischen den Steinen suchen und scharren oder sich auf die Suche nach etwas Freßbarem begeben. Abwechsung gibt es hier genug es wird sogar ständig etwas neues gebaut. Und nicht nur das, hier werden krumme Hufe wieder gerade, wie von selbst. Also ich bin wirklich begeistert.
Wer sich mal eine wirklich gute Pferdehaltung ansehen will oder etwas über Natural Hoofcare lernen will dem sei dieser Ort sehr empfohlen:
Die erste Woche in unserem Paddock Paradise ähnlichen Konstrukt hat uns zu zwei wichtigen Erkenntnissen gebracht (die im Buch natürlich schon so beschrieben sind, man glaubt ja aber immer nur was man selber mal verbockt hat).
1. Die Sackgassen sind zwar super um die Pferde zum nachdenken zu bringen, denn es ist wirklich keine einfache Aufgabe für sie erst in die entgegengesetzte Richtung gehen zu müssen wenn sie irgend wo hin willen was vor ihnen ist, ABER sie töten natürlich den Bewegungsfluss. Die Pferde laufen fröhlich los und in der ersten Sackgasse bleiben sie stehen und müssen wieder ne Stunde überlegen wie man da nochmal raus kommt und ob sie überhaupt wirklich so dringend dorthin wollten…
2. Wir brauchen mehr Futterstellen, die entlang eines geradlinigen Bewegungsflusses außen langführen.

Fertig! So ist es jetzt ersteinmal geworden.
Paddock Paradise und Barhufe: Untrennbar miteinander verbunden.
Unsere Innovation: Versetzbare Fress- und Liegeplätze
Die Pferde haben innerhalb einer Stunde alle Funktionsbereiche genutzt. Sie verbrachten Zeit miteinander und taten etwas…
…und verbrachten Zeit miteinander und taten nichts. So wie es Carolyn Resnick für denn Umgang mit Pferden rät. “Sharing space doing something and sharing space doing nothing”. Beides soll sich die Waage halten. Sharing time and territory ist eins ihrer Wasserloch-Rituale (sooo ein schönes Filmchen dazu).
Eomirs Trotteligkeit beim Überblicken des neuen gelenkten Pferdeverkehrs und Witkas Klugheit bei dieser Aufgabe hat uns erahnen lassen warum die LeitSTUTE normalerweise die Wege findet und nicht der Hengst… Witka hat drei mal aktiv versucht ihm zu helfen (was wirklich faszinierend war) aber nein: Er braucht keine Bedienungsanleitung! Und Hilfe braucht er von Witka natürlich erst recht nicht…
Eine Foto-Love-Story dazu gibt es natürlich auch wieder.
Und hier entsteht dann ab April das Ganze nochmal auf der Sommerweide. Unser Paddock Paradiese ist mobil…
Nachtrag: Ich will es nicht verschweigen, dass eine wissenschaftliche Untersuchung ersteinmal keinen positiven Effekt auf die täglich von den Pferden zurückgelegten Wege mit und ohne interes Zaunsystem finden konnte. Im Gegenteil, haben sich dort die Pferde ohne interne Zäune tendentiell sogar mehr bewegt. Allein Zäune zwischen zwei interessanten Punkten (Wasser und Schatten) sind offensichtlich nicht Anreiz genug. Der Umweg bei B ist allerdings nicht sehr groß und C und D bremsen beim hingucken schon den Bewegungsfluß aus, finde ich. Bin sehr gespannt was unsere Messungen so ergeben werden.
Auf 0,8 h (ohne Tracks) haben sich die Pferde dort im Schnitt 4,7 km bewegt. Auf 4 ha waren es 6,2 km. Zum Vergleich legten Sportpferde bei anderen Untersuchungen bei 30-40 min Training 1 bis 2,4 km zurück und Rennpferde 2 bis 3 km am Tag. Wenn diese Pferde sonst nur in einer Boxen stehen hätten sie weniger Strecke zurückgelegt als eins was den ganzen Tag auf einem 0,8 ha großen/kleinen Paddock “gammelt”. Interessant!
Weiterentwicklung und erste Erkenntnisse gibt es auch schon.
Neulich im Internet…
… bin ich auf das Journal of Ravenseyrie gestoßen. Ein Blog hauptsächlich über das Leben von Sorraias und Mustangs in einem Kanadischen Erhaltungsprojekt. Alle Jahreszeiten haben ihre eigene Schönheit und selbst im tiefsten Schnee werden kleine Fohlen gebohren. Und allen Unkenrufen zum Trotz leben dort nicht nur die iberischen Sorraias sehr gut im Winter, sondern auch ein Araber “Mistral” (der Chef einer der Gruppen ist) und ein Vollblut Ex-Rennpferd “Zeus” und ja, der Vollblüter schläft im Schnee und ist entspannt und kerngesund. Einer der Herdenchefs ist. “Sie sehen alle fett und glänzend aus” sagte ein Freund der Familie mal. Da kann ich nur zustimmen und hinzufügen: und zufrieden.
Auch Mulis leben dort und Gänse und Hunde… die Geschichten aus dem Alltag sind toll zu lesen und geben einem so ein zufriedenes Gefühl, finde ich. Zum Beispiel die Geschichte was passiert ist als die Jährlinge einer anderen Gruppe begegnet sind und viele andere. Viel Spaß!
Da kann man gut glauben, dass Pferde die letzte Eiszeit überlebt haben…
Zusatzinformation:
Die Komfortemperatur bei Pferden liegt im Übrigen zwischen -15°C und +25°C mit Idealtemperatur für herumstehen bei +5°C. Das ist für uns Menschen schwer vorstellbar, die eher zwischen +13°C und +26°C mit Ideal bei +22°C oder +23°C haben. Natürlich mit Unterschieden je nach Individuum, Bekleidung und Geschlecht. Aber man merkt schon, dass es ein anderer Bereich ist.
Nur zum Spaß hier mal ein Beispiel: für einen 35 Jahre alten, 75 kg schweren, 1,80 m hohen europäischen Mann im Anzug bei 50% Luftfeuchtigkeit und 0,5 m/s Wind (also kein Wind) ist die Idealtemperatur im Durchschnitt +21°C wenn er herumsteht oder sitzt.
Die australischen Aborigines fangen im Übrigen erst bei tieferen Temperaturen an zu frieren wohingegen die Inuit keine Verschiebung in diese Richtung aufweisen usw.: spannendes Thema
Es gibt nicht nur HIT-Aktivställe. Auch andere haben sich Gedanken gemacht. Schön ist, dass man bei Paddock-Paradise, so wie ich es bisher verstanden habe, ohne große elektronische Einrichtungen auskommt. Die Idee ist, dass die Gruppendynamik die Pferde antreibt: die Rangniedrigeren weichen immer eine Station weiter. Diese Stationen sind entleng eines Pfades angelegt, der schlussendlich im “Kreis” führt.
Auf der Seite werden Heunetze Verwendet, die allerdings mehrfach befüllt werden müssen. Man kann natürlich auch einfach ganze Heuballen hinstellen die in ein großes Heunetz gepackt sind. Dann kann man sich das häufige Befüllen sparen.
Filmchen auf Youtube gibt es natürlich auch. Und sehr viel Informationen auf englisch. Fragt bei Mr. Google. Und noch ein wunderschönes Filmchen aus St. Vincent in der Karibik.
Nachtrag
Man könnte es auch umformulieren und sagen: Die schlauen Pferdchen laufen schon mal vor, zu der nächsten Station und zwingen die dickfälligen Ranghohen dazu auch weiterzugehen wenn diese nicht alleine zurückbleiben wollen… Das können wir bisher auch viel häufiger beobachten als dass ein Pferd ein anderes “weiterschiebt”.
Martin Hafner bietet tolle Offenställe für jede Gegebenheit. Wer sich nicht selber mit Planung und Bau herumplagen möchte sollte sich diese schönen Hütten einmal ansehen!
Ich konnte nicht widerstehen zu diesem spannenden Thema in dem Forum von von Lutz Leckebusch mitzureden. Denn ich liebe Grundsatzfragen!
Die Definition von artgerechter Haltung ist nicht ganz einfach. Es ist eigentlich kein Synonym für “natürliches” Leben. Zu letzterer gehören Krankheiten, Durst, Hunger, Fressfeinde, Verletzungen usw. Und selbst “natürlich” ist schwer zu definieren. Viele Wildtiere leben in Städten weil sie dort Unterschlupf und Futter finden.
In der Nutztierhaltung spricht man oft davon, dass für eine artgerechte Haltung die Tiere noch in der Lage sein müssen sich den Umständen anzupassen ohne Verhaltensstörungen oder häufiges Frustverhalten zu zeigen. Auch die Ausübung möglichst angeborenen Verhaltensweisen wird angestrebt. Beim Fortpflanzungsverhalten wird das schon schwierig, wobei auch in der freien Wildbahn nicht jedes Tier sich fortpflanzt. Besonders bei Männlichen Tieren die Polygam leben ist das eher selten. Die Trennung von Funktionsbereichen in den Haltungseinrichtungen, eine auch dem Freßverhalten angepaßte Fütterung und Beschäftigungsmöglichkeiten in denen das Tier mit der Umwelt interagiert sind einige Ansätze.
Die Unterscheidung zwischen Mensch und Natur ist ein weiteres Problem. Wenn wir sagen der Mensch gehört nicht zur Pferdeumwelt stimmt das nicht ganz. Natürlich brauchen die Pferde keine Menschen (zumindest nicht in der Steppe). Sie brauchen aber auch keine Wölfe oder Influenzaviren. Die sind aber genauso da wie wir. Die einzige Möglichkeit für das Pferd neben uns nicht auszusterben ist es eine Symbiose mit uns einzugehen. Da ich natürlich wirklich lieber ein Symbiont als ein Parasit oder Sklavenhalter der Pferde sein möchte, simme ich natürlich zu, dass sowohl in ihrer Haltung als auch während ihrer Nutzung die Pferde eine artgerechte Umwelt (inkl. der Interaktionen mit Menschen) vorfinden müssen. Wichtig sind die Mechanismen und die Logik nach denen ihre Welt funktioniert und nach denen sie lernen in ihr zurecht zu kommen, nicht ob es genauso aussieht wie in der mongolischen Steppe.
Der Holzstall ist nach hinten erweitert. Das gefällt den Insassen sehr!
Neulich durfte ich in einem Kolloquium erfahren, dass auch S-Dressurpferde ohne Starallüren mit ihren anderweitig geförderten Freunden in Bewegunsställen wohnen.
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